27.09.2016
News

„Von Schwärmen und Umschwärmten…“ IP tanz in Kooperation mit TrustDanceTheatre Seoul und Compagnie Jacques Bana Yanga

©Hyeong-hee Kim

 

 

„Von Schwärmen und Umschwärmten…“

 

IP tanz in Kooperation mit TrustDanceTheatre Seoul und Compagnie Jacques Bana Yanga

Ein deutsch-koreanisch-afrikanisches Tanzprojekt mit zwei Premieren in Köln:

outdoor am 2.10. im Friedenspark | indoor am 7.10.2016 Barnes Crossing

 

 

Ankündigung des Veranstalters:

 

Wie Frauenbilder in verschiedenen Kulturen geformt werden und welche Rolle sie in ihrer jeweiligen Gesellschaftsform einnehmen – diesen Themen widmen sich sechs Tänzerinnen aus Deutschland, Korea und Afrika in der Produktion „Von Schwärmen und Umschwärmten…“ von Ilona Pászthy (IPtanz) in Kooperation mit TrustDanceTheatre, Seoul, und Compagnie Jacques Bana Yanga, Kinshasa. Ihre Arbeit ist dabei inspiriert von Fragen nach dem Umgang mit Schönheitsidealen, Selbstverwirklichung und Anpassung.

 

In der Begegnung der Kulturen und in der Auseinandersetzung über die Position der Frau im jeweiligen Land sind in unterschiedlichen Bewegungssprachen eindrucksvolle Körperbilder entstanden, die unsere Erwartungen in Frage stellen und die weibliche Selbstdefinition neu denken und erfahrbar machen.
Das Stück wurde sowohl als Outdoor- als auch Indoor-Version konzipiert und feiert somit zwei Premieren: am 2.10.2016 um 18 Uhr im Kölner Friedenspark sowie am 7.10.2016 um 20 Uhr in den Räumen von BARNES CROSSING, Freiraum für TanzPerformanceKunst im Kunstzentrum Wachsfabrik.

 

Tickets kosten 13 Euro und 9 Euro ermäßigt, Reservierung unter www.barnescrossing.de oder www.ip-tanz.com.

 

 

 

Schwerpunktthema aller Produktionen von Ilona Pászthy in diesem Jahr ist „Schwarm“. In allen Stücken liegt der Fokus auf gesellschaftlichen Verhaltensmustern und Interaktionsformen sowie deren Ausformung in Schwarmstrukturen und Netzwerken. Fragen wie „Welchen Stellenwert hat der einzelne in ihnen und wie findet er seine Rolle darin? Was denken andere von mir, kann ich meinen eigenen Weg gehen oder passe ich mich den vorherrschenden Normen an?“ beeinflussen ihre künstlerische Auseinandersetzung.

 

Das Wissen darüber, wie sich Schwärme aus Individuen bilden, und welchen Gesetzmäßigkeiten sie dabei folgen, hat Pászthy intensiv recherchiert: So lieferte der Mathematiker und Schwarmforscher Dr. Dr. Dimitry Volchenkov (Fakultät für Physik, Universität Bielefeld) theoretisches Hintergrundwissen, ein Aufenthalt Korea brachte praktische Einblicke in die Lebenswelten kollektivistischer Gesellschaften und offenbarte das Maß an Freiheit, das dem Individuum zugestanden wird. Ist die eigene Entscheidung vielleicht doch nur ein Streben nach Normhaftigkeit?

 

Während der Probenphase in Seoul im Juli diese Jahres etwa stellte Pászthy schnell fest: Ohne plastische Chirurgie geht dort bei Frauen fast nichts. Ist ein (vermeintlicher) Makel korrigiert, folgt der nächste, dann der übernächste – wann ist Schluss? „Mir ist klar geworden, dass koreanische Frauen viel stärker als bei uns Sklaven eines vorgegebenen Schönheitsdeals sind“, erklärt Pászthy. „Wie eingeengt die Frauen dabei sind, wie abhängig von ,ihrer Klinik‘ und der Anerkennung von außen, war dann auch schnell Thema der Probenarbeit“ – eindrucksvoll dargestellt von einer in Frischhaltefolie eingewickelten Tänzerin. Sie ist zwar „konserviert“, aber auch eingeengt, und ihr Gesicht von der Folie zur Fratze plattgedrückt.
Im September ist ein weiterer Kooperationsaufenthalt in Kinshasa geplant. Anfang Oktober zeigen dann alle drei Compagnien die Ergebnisse ihres interdisziplinären, interkulturellen choreografischen Diskurs‘.

 

Mitwirkende: Choreografie: Hyeong-hee Kim, Jacques Banayanga, Ilona Pászthy – Tanz: Yejin Kwon, Sun Young Lee (Seoul, Korea), Benedicte Etshoko, Sahra Mbalange (Kinshasa, Demokratische Republik Kongo), Hannah Platzer, Katharina Sim (Köln und Düsseldorf) – Dramaturgie: Judith Ouwens – Bühne: miegL – Musik: Zsolt Varga – Licht: Gerd Weidig – Management: Nicole Nikutowski

 

Förderer:
 Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW  Kulturamt Stadt Köln  Auswärtiges Amt in Seoul  Arts Council Korea (ARKO)  Korea Mecenat Association  Institut Francais de Kinshasa

 

26.09.2016
News

INTERNATIONALE TANZGASTSPIELE BONN DAS TRIADISCHE BALLETT BAYERISCHES STAATSBALLETT II [MUNCHEN] / AKADEMIE DER KUNSTE [BERLIN] AM 30.SEPTEMBER UM 19:30UHR IM OPERNHAUS BONN

©Wilfried Hoesl

 

 

INTERNATIONALE TANZGASTSPIELE BONN

DAS TRIADISCHE BALLETT

BAYERISCHES STAATSBALLETT II [MUNCHEN] / AKADEMIE DER KUNSTE [BERLIN]

 

AM 30.SEPTEMBER UM 19:30UHR IM OPERNHAUS BONN

 

von Oskar Schlemmer
Choreografie Gerhard Bohner (1977)
Rekonstruktion und Neufassung 2014
Einstudierung Colleen Scott, Ivan Liška
Musik Hans-Joachim Hespos
Ein Tanzfonds Erbe Projekt
Einführung Nele Hertling, Vizepräsidentin der Akademie der Künste, Berlin

 

Das Chaos scheint groß gewesen zu sein. Die Profis brachten die Uraufführung des TRIADISCHEN BALLETTS trotzdem souverän über die Bühne. Oskar Schlemmer aber war unzufrieden. Der berühmte Maler, der sich nicht leicht zufriedenstellen ließ, tanzte bei der Uraufführung 1922 persönlich mit – unter Pseudonym.

 

Trotzdem hat Oskar Schlemmers TRIADISCHES BALLETT Weltgeschichte geschrieben. Knapp 100 Jahre nach der Uraufführung ist sein Jahrhundertwerk wieder zu sehen. Mit visionärer Kraft hat das Gesamtkunstwerk des Bauhauskünstlers die Grundkoordinaten des Tanzes neu ausgerichtet.

 

Das BAYERISCHE STAATSBALLETT II gastiert im Bonner Opernhaus mit der Rekonstruktion dieses Meilensteins des Theaters, aber auch der bildenden Kunst und eröffnet damit aufs Schönste die neue Saison.

 

Oskar Schlemmers (1888–1943) TRIADISCHES BALLETT wurde Synonym der Bestrebungen der bildenden Künstler um die Erneuerung und Annäherung der Künste am Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Kostüme basieren auf den drei geometrischen Grundformen Kreis, Quadrat, Dreieck, und die Tänze unterteilte er in „Eintanz, Zweitanz und Dreitanz“.

 

Seit 2010 besteht das BAYERISCHE STAATSBALLETT II (Künstlerische Leitung Ivan Liška) – eine Kooperation des Bayerischen Staatsballetts, der Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater München und der Heinz-Bosl-Stiftung – und gastiert seitdem mit großem Erfolg in Deutschland und Europa.

 

26.09.2016
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STILL(here) SILKE Z. | resistdance 29.9. und 30.9. 2016 / 20 Uhr mit Lisa Kirsch & Angus Balbernie im KölnerKünstlerTheater

 

STILL(here)

SILKE Z. | resistdance

 

 

29.9. und 30.9. 2016 / 20 Uhr
mit Lisa Kirsch & Angus Balbernie

im KölnerKünstlerTheater

 

Das Älterwerden wird in unserer westlichen und nach Jugend strebenden Gesellschaft häufig mit dem Ansammeln von „Defiziten“ verbunden. Gilt dies auch für den älter werdenden Performer? Was erwarten wir – das Publikum – von älteren Darstellern auf der Bühne? In der Performance STILL(here) begegnen sich der Performer Angus Balbernie (62) und die Tänzerin Lisa Kirsch (26) und verhandeln die körperlichen Unterschiede. In einem spielerischen Dialog loten die beiden Darsteller ihre Bewegungsmöglichkeiten aus und fordern sich selbst und den Anderen heraus.

26.09.2016
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TAO DANCE THEATRE TANZGASTSPIELE IN DER KÖLNER OPER 28. UND 29. SEPTEMBER JEWEILS 19:30 UHR IM STAATENHAUS

©Matthew G. Johnson

 

 

TAO DANCE THEATRE

TANZGASTSPIELE IN DER KÖLNER OPER

28. UND 29. SEPTEMBER JEWEILS 19:30 UHR IM STAATENHAUS

 

 

TICKETS KAUFEN

 

Das 2008 gegründete TAO Dance Theater hat Chinas Tanzwelt längst im Sturm erobert. Es ist eine radikale Erscheinung in der boomenden Welt des zeitgenössischen Tanzes. Auch weltweit, vom Lincoln Center in New York bis zum Opernhaus in Sydney, hat die Kompanie Aufmerksamkeit erregt. Im September 2016 ist die TAO Kompanie zum ersten Mal an der Oper Köln zu Gast. Der Gründer und Choreograf des TAO Dance Theaters, Tao Ye, hat ein innovatives minimalistisches Tanzvokabular, das den Körper bis an seine Grenzen bringt, erschaffen. Er nutzt die Wirbelsäule als Achse und die energetischen Zentren (Dantian) als Kraftimpuls, um einen strengen, asketischen, zugleich aber vitalen und sehr energetischen Stil zu entwickeln. Die Stücke gehören zu den charakteristischen Arbeiten aus dem Repertoire des TAO Dance Theater.

 

»Tao 4« ist ein skurriles Quartett mit Musik von Xiao He, einem chinesischen Indie-Folk-Rock Komponisten. Die vier Tänzer werden scheinbar unablässig von einer unsichtbaren Macht bewegt, die sie abwechselnd anzieht und wieder abstößt, ohne dass sie sich auch nur einmal berühren. Das Stück »Tao 5« bildet das Gegenstück dazu: ein kahlrasiertes, jeder Individualität beraubtes Quintett hat ständig körperlichen Kontakt, bewegt sich als eine Einheit; die Performer gleiten über- und untereinander, Gliedmaßen und Torsi verschmelzen zu einem sich ständig verändernden Tableau, das die Grenzen von Zeit und Raum überschreitet. Das klare und lange nachklingende Stück zeigt die exzellente Technik der Tänzer und ist ein überzeugender Beleg für den Rausch der reinen Bewegung. In diesen Arbeiten setzt Tao Ye seine minimalistische Experimentierfreude fort und erforscht das Potential des menschlichen Körpers als visuelles Element, ohne jegliche Geschichte oder Symbolisierung.

 

Tao Ye graduiert an der Chongqing Dance School in China. Er tanzt in allen großen Kompanien des Landes, bevor er 2008, erst 22 Jahre alt, seine eigene Kompanie, das TAO Dance Theater, gründet. 2012 verleiht das führende asiatische Life-Style-Magazin »Men’s UNO« Tao Ye den »Elegance Award«, der Persönlichkeiten der chinesischen Kultur und Unterhaltung zugesprochen wird. 2013 bekommt er von »Peking News« den »Innovator Award of Dance«. Tao Ye entwickelt ein Tanztraining, das Tänzern die Möglichkeit gibt, das Potential und die Gegensätze des menschlichen Körpers zu erforschen und ständig die physischen Grenzen und mentalen Erwartungen zu überwinden. Er gibt weltweit Meisterklassen an unterschiedlichsten Ausbildungsinstituten. Sadler’s Wells ernennt ihn zu einem der sechs »New Wave Associates«-Künstler.

 

24.09.2016
News

23.09.2016
deutsch: kritiken / interviews, News

IN DEN DUNKELKAMMERN DES EGOS „LVMEN – Live-Photography & Dance Performance“ von Emanuele Soavi und Cora Bos-Kroese in der Alten Feuerwache Köln Nachtkritik von Nicole Strecker

©TANZweb.org

 

„LVMEN – Live-Photography & Dance Performance“

 

IN DEN DUNKELKAMMERN DES EGOS

von Emanuele Soavi und Cora Bos-Kroese

erneut am 23., 24. und 25.September in der Alten Feuerwache Köln

 

 

HIER GEHT ES ZU UNSEREM VIDEO-TRAILER VON LVMEN

 

Nachtkritik von Nicole Strecker

 

Winzige Härchen richten sich wie silbrige Börstchen von der Haut auf, ein Speicheltröpfchen glitzert im Mundwinkel, die Iris der Augen funkelt wie ein blauer Diamant – so porentief bekommt man Tänzergesichter selten zu sehen. Zumal die Bühne, auf der diese Porträts entstehen, noch im Halbdunkel liegt und bevor die Körper zu erkennen sind, wird man als Zuschauer ganz theateruntypisch mit Gesichtern konfrontiert: Cora Bos-Kroese, Federico Casadei, Lisa Kirsch, Emanuele Soavi, Joke Zijlstra – fünf Tänzer, die sich mit ernster Intensität der Kamera ausliefern. Ungeschützt, intim – obwohl: Wem, wenn nicht Joris-Jan Bos kann man sich so anvertrauen! Der Fotograf hat jahrelang den „Look“ des Nederlands Dans Theaters durch seine Bilder mitgeprägt. Er hat die Arbeiten von Weltstars wie Hans van Manen, Eduard Lock, William Forsythe oder Ohad Naharin dokumentiert, nein: in Bildkunst verwandelt.

 

Das tut er nun auch auf der Bühne von Cora Bos-Kroese und Emanuele Soavi. Bos gibt den Tanzpaparazzi mit hochgeschobener Brille auf der Stirnglatze: Er fotografiert die Performer live in Aktion, huscht immerzu zwischen ihnen herum, rückt ihnen mit seinem Apparat zu Leibe.

 

 

 

Zum dritten Mal sucht der Kölner Choreograf Soavi in seiner Reihe „The Habit Cycles“ die gleichberechtigte Kollegen-Kooperation. In der Vergangenheit arbeitete er mit Tanztheater-Ikone Susanne Linke und dem Schauspieler und Regisseur Daniel Schüßler vom Kölner Analogtheater. Diesmal sind seine Partner Joris-Jan Bos und die niederländische Choreografin Bos-Kroese, Ex-Tänzerin beim NDT und Forsythe Ballet Frankfurt, Gründerin der Kompanie C-scope und eine der zentralen Repetitorinnen für die weltweite Einstudierung der Werke von Jiři Kylián.

 

 

 

„LVMEN“, so der Titel der Gemeinschaftsproduktion, nach dem Lateinischen „lumen“, Licht und, wer weiß, vielleicht darf man bei der Worterfindung auch ein bisschen an „LV – Louis Vuitton“ denken, denn wo Foto, schöne Körper und Bewegung aufeinandertreffen, wird auch eine kunstbeflissene Tanzbühne schnell zum Catwalk. So in einer der witzigsten Szenen des Abends:
Die drei Tänzerinnen Bos-Kroese/Kirsch/Zijlstra stöckeln auf gesundheitsgefährdenden Stilettos zur ‘Next-Topmodell-Parade’ auf, hämmern unter dramatischem Ächzen ihre Mini-Absätze wie kampfbereite Toreros in den Boden, arrangieren den Körper zur Divenpose. Allein: Der Fotograf fummelt teilnahmslos an seiner Kamera herum, kein Beauty-Shooting, da mögen die Grazien noch so aggressiv-sexy provozieren.
Man mag darin eine kleine Tanzsatire auf Supermodel-Shows und ihre hysterischen Geltungssüchteleien sehen, wie überhaupt der Abend wunderbar unaufdringlich die Dimensionen der Beziehung zwischen Fotografie und Körper, Bild und Bewegung auslotet.

 

Vor drei Jahren hatte der flämische Choreograf Wim Vandekeybus bereits in seinem Tanzstück „Booty Looting“ mit einem Live-Fotografen gearbeitet, der während der Vorstellung die Bühnenwirklichkeit zur Bildwirklichkeit verfremdete. Gewissermaßen eine ‘Verkunstung der Kunst’, oder medienkritisch betrachtet: die Inszenierung von Lügenbildern. Auch in „LVMEN“ verblüfft die Andersartigkeit der Fotografien im Vergleich zum Bühnengeschehen. Joris-Jan Bos umrundet die Tänzer, zeigt Perspektiven auf ihre Körper, die der Zuschauer hinter der „4. Wand“ nicht zu sehen vermag, zerstückelt sie mit Close-ups, löst sie in Bewegungsunschärfen zu Farbschlieren auf, dramatisiert, verwirrt, verschönert und entstellt.

 

 

 

So wird Bos zum Mastermind des Bühnengeschehens. Er ist der gierige Pornograf, der den Körper wie eine Ware ablichtet, wenn sich Federico Casadei im Rotlicht gegen eine Plexiglasscheibe presst: plattgedrückte Muskeln, gummiartig verzogene Haut, weißes Fleisch schonungslos vergrößert auf einer Leinwand. Bos ist der romantische Illusionist, der sich unter eine transparente Tischplatte klemmt und von dort aus die herausragend kamera-affine Lisa Kirsch inszeniert wie eine im Fluss versunkene Ophelia: schwebendes rotes Lockenhaar, kindgroße veilchenblaue Augen, leichenblasse Tragik – während sie eigentlich ganz lebendig und cool auf dem Tisch tanzt.

 

Die 57jährige Joke Zijlstra posiert vor dem gnadenlosen Voyeurs-Auge der Kamera als eine aus der Zeit gefallene schwarze Aphrodite – die Skulptur als Wunschbild gegen die Vergänglichkeit. Doch juvenile Glätte ist nun mal unwiederbringlich, und so verwandelt Bos sie zärtlich mit Schwarz-Weiß-Schattenspielen in eine mysteriöse Film-Noir-Diva. Und wenn Emanuele Soavi wie eine ‘Alice’ gegen die Logik des Leibes rebelliert und seine Gliedmaßen im Tanz mit einem Spiegel multipliziert, verunklart Bos als ein M. C. Emscher der Fotografie die Körper-Geometrien zur optischen Täuschung.

 

 

 

Verblüffende Bildzitate, ästhetische Vielfalt, Verschiebungen in der Wahrnehmung – „LVMEN“ bietet und befragt vieles. Wer im Choreografen-Tandem welche Parts kreiert hat, ist nicht auszumachen, es sieht für den deutschen Tanzkenner alles ziemlich „Soavi“ aus. Doch von Cora Bos-Kroese stammt ein zarter, tastender Text über die Kluft zwischen Ichgefühl und Aussehen, über Alter und die Rolle des Körpers für die Identität, eingespielt in einer Aufnahme mit der grandiosen Schauspielerin Kate Strong, die mit wohlartikuliertem Englisch und  unverwechselbar rau-zerbrechlicher Stimme in die Dunkelkammern des Egos vordringt.

 

Und nicht zuletzt ist dieses faszinierende „LVMEN“-Foto-Tanz-Studio auch: Ein philosophischer Exkurs über die Dimensionen der Zeit. Wo der Tanz rast, hinkt die Fotografie hinterher. Erscheint das Bild auf der Leinwand, sind die bewegten Körper längst in ganz anderem Zustand. Ein Machtkampf zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Fotografie und Tanz. Unentschieden. Es gibt an diesem absolut sehenswerten Abend definitiv zwei Gewinner.