03.02.2016
deutsch: kritiken / interviews, News

WUPPERTALER TANZ-FILM-FESTIVAL IST AM WOCHENENDE ZU ENDE GEGANGEN – ein Kommentar von Klaus Dilger

WUPPERTALER TANZ-FILM-FESTIVAL

 

DAS ERSTE TANZFILMFESTIVAL NRW – INTERNATIONAL DANCE ON SCREEN – WUPPERTAL  UNTER DEM LABEL „TANZRAUSCHEN“ IST AM WOCHENENDE ZU ENDE GEGANGEN

 

 

ein Kommentar von Klaus Dilger

 

 

Vier Tage lang verwandelte sich die Wuppertaler „Börse“, unter Federführung von TANZRAUSCHEN e.V., zum Umschlagplatz des internationalen Tanzfilm-Geschehens, in deren Verlauf Besucher und Fachpublikum nicht nur zahlreiche aktuelle Tanzfilmproduktionen im, „Loop Room“ und „Dance Engine“ genannten, Non-Stop-Format erleben durften, sondern grossformatige Screenings von Tanzfilmen, die so zum Teil erstmals öffentlich in Deutschland zu sehen waren.

 

Hierzu zählten Marion Stalens’ Dokumentarfilm  „DANSE L’AFRIQUE DANSE!“ und nicht zuletzt die vierzig Tanzkurzfilme, die von den Kuratoren und Direktoren aus Finnland, Dänemark, Schweden und Norwegen, direkt in Wuppertal für die nordischen Festivals von „60SECONDS DANCE“ ausgewählt wurden und noch vor der Veröffentlichung in Skandinavien als Previews im Festival gezeigt wurden.

 

 

@Looking Forward Trilogy _ mit Michael Schumacher

 

 

Möglich wurde dies durch eine  zweitägige Konferenz , die im Rahmen des ersten „TANZRAUSCHEN“ Tanzfilmfestivals NRW – International Dance on Screen Wuppertal – die internationale Tanzfilmszene zu einem Branchentreffen an die Wupper gelockt hatte.

 

In zahlreichen Fachvorträgen und Diskussionen entwickelten die Teilnehmer, teilweise auch nur zwischen den Zeilen zu lesen, den Versuch einer Standortbestimmung des Tanzfilms und vermieden hierbei auch nicht die Benennung von bestehenden Defiziten, die besonders am Beispiel von Rechte-Fragen zu Tage traten. Wobei es leider weniger um die dringend gebotene und ausstehende Formulierung des Selbstverständnisses von Tanzfilmemachern, Choreographen und Tänzern ging, deren Autorenrechte und Vergütungen, als vielmehr um die Kosten, die durch Nutzungsrechte der Musikindustrie verursacht werden und die zahlreiche Film- und Digitalisierung – Projekte für Tanzfilme erschweren oder unmöglich machen.

 

Hierin wird zum Einen deutlich, dass es dem Tanz noch immer an einer Lobby und Strukturen fehlt, die der Musikindustrie auf Augenhöhe begegnen könnte, auch die gewaltigen Unterschiede und Gegensätze innerhalb der Protagonisten | Produzenten und ihrer Produktionsbedingungen für Tanz und Film, ihre Maßstäbe, Zuordnungen und das damit verbundene (oft fehlende) Selbstverständnis wurden sichtbar.

 

 

@Looking Forward Trilogy

 

Noch wurden die wichtigsten Fragen bezüglich Qualität, politischer und gesellschaftlicher Dimensionen, Märkten, Finanzierungen und Strukturen eher in kleinen Runden abseits des Plenums diskutiert, aber die Fragen sind da und deren Beantwortung drängt.

 

Vor diesem Hintergrund ist die gemeinsame Entscheidung auf der Konferenz, ein europäisches Netzwerk zur Stärkung der “Dance on Screen”-Szene zu gründen, mehr als nur begrüssenswert. Weitere Gespräche hierzu sollen bereits in Kürze in Amsterdam stattfinden.

 

Die Präsentation des Dance on Screen Festivals war nicht nur für die hervorragenden Gastgeber von TANZRAUSCHEN e.V. ein voller Erfolg. Bausteine wie diese sind wichtige Bestandteile zum Aufbau einer nationalen Tanzmetropole Wuppertal, die mehr sein will und muss als die Verwaltung des grossartigen Erbes von Pina Bausch! Die Zukunft des Tanzes, seiner Choreographen, Tänzer und all seiner künstlerischen und organisatorischen Ermöglicher, wird nicht allein auf den Bühnen und in den Städten verhandelt werden, sondern auch in einer digitalen Welt, die längst als eine zweite oder weitere Wirklichkeit existiert und die der Kunst niemals fremd war, lange noch bevor sie sich auf Bildschirmen und dreidimensionalen Bildsystemen materialisieren konnte.

 

 

©”Ahnen ahnen” ein Film von Pina Bausch

 

 

Bald wird es nicht nur um die Kanäle und Netzwerke der Verbreitung gehen, sondern um Märkte und Verteilung. Insofern erscheint es folgerichtig, dass die Hauptförderer der Veranstaltung aus dem Wirtschaftsministerium und dem Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft gekommen sind.

 

Die Werte, die hier verhandelt werden (könnten), sind nicht allein materiell, aber doch auch.
In einer materialistisch geprägten Welt | Gesellschaft drücken sich Wertschätzung und Anerkennung noch immer in Heller und Pfennig (oder Euro) aus, auch wenn dies gerne von den Künstlern verdrängt wird, um „unbelastet“ weiter arbeiten zu können. Dass hierbei die Tanzkunst in ihrer breiten Mehrheit eher am untersten Ende der pekuniären Wertskala anzutreffen ist, stellt keine Zwangsläufigkeit dar, wie einige (in Deutschland wenige) Choreographen belegen, die es mit ihrer Arbeit zu Millionenbeträgen an Autorenrechten gebracht haben.

 

Dies wirft Fragen auf, auch im Hinblick auf Qualität und Selbstverständnis, aber eben nicht nur, die nur im Verbund und grosser Offenheit zu beantworten sein werden. Die nächsten Branchentreffen hierzu sind dringend von Nöten.

Ein wichtiger Anfang wurde in Wuppertal gemacht!